Die Himmlischen Pferde der Türken

In dem Maße, wie sich das türkisch - osmanische Reich festigte, erreichte auch das „türkische“ Pferd den Höhepunkt seines Ruhmes. Es war das Bestreben eines jeden Reiters, ein „türkisches“ Pferd zu besitzen. In Polen entstand sogar das Sprichwort: So zufrieden und lustig, als ob man ihn auf ein türkisches Pferd gesetzt hätte.(1)

Nun werden viele mit Recht denken, "das war ein mal". Wie sieht es heute mit türkischen Pferden und Pferderassen aus? Mit der Abschaffung der Kavallerie haben sich auch die edlen Pferde aus dem Leben der Türken verabschiedet. Man kennt sie nur noch aus Heldensagen und Geschichten von Köroglu und Battal Gazi. Eine tief verwurzelte Liebe und Sehnsucht zu Ihnen ist geblieben. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem Wohlstand kommen auch die Pferde wieder aus der Richtung in die sie vor Jahrthunderten entschwanden. Nämlich aus dem Westen. Jedoch ist inzwischen die Kultur und das Wissen um die Pferdezucht und Haltung so gering, dass es kaum noch vorhanden ist. Das Pferd tritt ins Leben der Türken wie ein alter Freund oder Vewandter, den man vor langer Zeit aus den Augen verlor, aber beim ersten Treffen schon merkt, wie sehr man ihn vermisst hat.

So wird es auch den Pferden gehen, die aus ihrer angestammten Kultur der Nomaden in den Westen zogen um immer schneller zu laufen, immer höher zu springen ohne zu wissen, warum und für wen. Der einstige Gefährte der Gazi und Akinci ist zum Sportgerät ohne Seele degradiert.

Oder... das Wort Asil wurde so verdreht, dass es zum Markenzeichen einer Pedigreezucht wurde.

Die Folgen davon sind Inzucht bis zum Inzest und gedankenlose Vermehrung von Pferden.

Ganz zu schweigen von den vielen Typ (und Farb) – Züchtern, die aus den Pferden eine Karikatur der Rasse machen, weil der vermeintliche Typ bei der Zucht überbetont wird. Sowohl die Akhal Teke als auch die Araber werden geradezu zwanghaft in Klischees gepresst. 

 

Es ist an der Zeit, dass die Himmlischen Pferde wieder daheim in ihrer angestammten Kultur ankommen. Das sind wir diesen wunderbaren Geschöpfen schuldig.

 

Außer den Pferden ist ein weiteres Anliegen von mir die jungen Menschen zu ermutigen an ihren Idealen und Träumen festzuhalten. Mein besonderer Dank gilt den Autoren Jeremy James und Dr. Ertugrul Gülec, die mir mit ihren Büchern die Augen geöffnet haben.

Das Turkvolk der Botai

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Carnegie Museums of Natural History und der Universitäten Exeter und Bristol in England führte Ausgrabungen im Norden Kasachstans durch. In dieser Steppenregion überlappten die Besiedlungsgebiete zweier früher Nomadenvölker, der Botai im Norden und der Tersek im Westen. Die Grabungen förderten nicht nur Töpferwaren, Reste von Lagerstätten und Beutetieren zutage, sondern auch zahlreiche Pferdeknochen.

Die Auswertung der Knochenfunde enthüllte, dass in dieser Region bereits vor 5.500 Jahren Pferde domestiziert und gezielt gezüchtet worden sind. Das ist rund tausend Jahre früher als bisher angenommen und rund 2.000 Jahre früher als bisher bekannte Domestikationsspuren in Europa. (2)

 

Mit anderen Worten wurde das Pferd vor 5.500 Jahren im Herzen Turkestans gezähmt! Bis dahin lebten Menschen als Jäger und Sammler in Zuflucht von Gebirgshöhlen und Wäldern. Erst das Pferd ermöglichte die Besiedlung der weiten Steppen.

Die Nachkommen der Botai, die Skythen und Hunnen sollten die Völkerwanderung auslösen. Neben Ost- und Westrom waren sie die größte Macht von Europa bis nach Asien. Atilla war der Herrscher den Rom, Byzanz und China ihre Abgaben verrichteten. Er verschonte Rom auf Bitten von Pabst Leo.

Trotz ihrer Gnade und der technischen Überlegenheit werden die Hunnen als wilde Barbaren dargestellt, die in der Geschichte verschwunden sein sollen. Dabei leben die Nachfahren dieses großartigen Volkes immer noch auf dem Eurasischen Kontinent. Die Kultur der Turanvölker tritt durch den Zerfall der Sowjetunion wieder zum Vorschein und die Nationen erinnern sich wieder ihrer Geschichte.

So ist es nicht verwunderlich, dass die zentralasiatischen Türken immer noch Pferde züchten, die die ganze Welt bewundert.

Türkische Gründerpferde des Englischen Vollbluts - Jeremy James(3)

Viel wird geschrieben über den Ursprung der Vollblut Pferde und das meiste davon sind Vermutungen. Selten werden wissenschaftlich fundierte Hinweise geliefert, die den Unterschied zwischen den türkischen und arabischen Pferden im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert belegen, wo diese Pferde doch so eine wichtige Rolle, an der Gründung des modernen Rennpferdes gespielt haben.

Es wird behauptet, dass die türkischen Pferde, Araber unter einem anderen Namen waren – aber ist das wirklich der Fall?

Um das herauszufinden müssen wir die Frage stellen, warum diese Pferde „Türken“ hießen und was sie von Arabern unterschieden hat, da viele Türken in den Originaldaten der General Stud Bücher erscheinen.

Ist nicht die erste Frage über diese Pferde, wo sie herkommen?

Die Antwort darauf ist einfach: das Osmanische Reich.

Nächste Frage: wo findet am ehesten Quellinformationen?

Antwort: Osmanische Aufzeichnungen.

Nächste Frage: gibt es keine osmanischen Dokumente?

Antwort: Absolut, in Istanbul, Türkei. Die Osmanen – die Türken – als Gründer eine der weltweit längsten dauerhaftesten und effizientesten Imperien waren auch anspruchsvolle Bürokraten.

Aber, bevor wir fortfahren, muss man eine zentrale Tatsache vor Augen halten. Es hat, selbst mit dem türkischen Menschen zu tun: Es ist wichtig zu begreifen, dass sie nicht Araber sind. Die Türken haben wenig gemein mit den Arabern, abgesehen von der Religion, und hatten einmal eine gemeinsame Schrift - aber haben weder eine gemeinsame Sprache noch Bräuche. In der Tat hat der Türke von heute viel mehr Gemeinsamkeiten mit den Persern als mit dem Araber. Und zwar weil die Türken aus dem Osten stammen. Die Sprache markiert die Spur ihrer Herkunft: man hört die türkische Sprache von den Tälern des Tien Shan in China bis in die Küsten der Ägäis. Es ist sehr weit verbreitet. Sie sind ein sehr weit verbreitetes Volk, im Allgemeinen abstammend von Bogenschützen-Reitern. In dieser Gruppe sind die Kumanen, Uiguren, Kasachen, Usbeken, Hunnen, Turkmenen, Petschenegen, Chasaren, Khabaren, Oghusen – Selçuken – und andere. Und als Bogenschützen-Reiter, haben sie Pferde gezüchtet. Sie hatten eine Menge von Pferden. Viele große Pferde. Die türkische Gelehrte Sumer sagt, dass die türkischen Klans von Westsibirien, insbesondere die Kyptschaken, im Besitz von mehr als 2 Millionen Pferde waren. Über die türkischen Uiguren berichtet ein Zeitgenosse, nämlich: "die Zahl der Pferde, die nur Gott kennt."

Als Steppenmenschen, genossen sie drei Zutaten, die die Qualität der Pferdezucht begünstigen: viel Land, viel Gras und viel Wasser. Mit anderen Worten, Fluss-Ebenen. Die Flüsse Amudarja, Syrdarja, der Wolga, Ural und Ember, der ewige Regen auf die Steppe, das Ferghanatal, den Ausläufern der Pamir, der Khorosan und der hohen Mazandaran. Diese Begebenheiten drückte sie in den Westen. Sie kamen mit Tamerlan und Dschingis Khan - Cengiz ist noch ein sehr verbreiteter Name in der Türkei. Sie kamen mit den Selçuken und viele andere daneben, nicht zu vergessen, dass die Leute, die Rom plünderten, Hunnen auch Türken waren. Außerdem drang das arabische Abbasiden-Reich nie in die Türkei.

Das von Türken gegründete Reich, das Osmanische Reich, war eine überaus gut organisierte feudale, militärische Leistungsgesellschaft. Jeder war Teil der Kriegsmaschine. Land erhielten nur diejenigen, die sich als würdig genug erwiesen, um es im Namen des Sultans zu halten. Diese wurden als Timars bezeichnet. Ein Timariot – ein Grundherr – musste im Gegenzug seiner Rechte über das Land und als Teil der Vereinbarung, Menschen und Pferde für die Kriegsmaschinerie bereitstellen.

Was wichtig ist zu verstehen, dass Pferde nicht für Geld gezüchtet wurde: sie wurden auch nicht nur gezüchtet, weil es vom Staat vorgegeben wurde, es war das was ein ehrenwerter Mann tat und der Wettbewerb zwischen den Timars gewährleistete immer eine gute Qualität an Pferden. Das Timariot-System konnte auf Befehl 200.000 Mann gut ausgebildete Reiter mit schön gezüchtetem Pferde zur Verfügung stellen, ohne dass der Sultan je eine Hand in seine Geldtasche legen musste. Diese Pferde waren von einer ganz besonderen Art. Viele der berittenen osmanischen Sipahi (Kavalleristen) gehörten zu einem ritterlichen Orden an, bekannt als die Ghazi. Diese waren in gewisser Weise die Samurai des Islam. Diese Orden sind immer noch vorhanden. Bis heute gibt es islamische Unternehmen, die auf dieser Tradition basieren. Viele. Für sie war und ist es auch heute alles Ehrensache. Für einen Ghazi Reiter konnte es nur ein Pferd geben, das sich lohnt zu Reiten und das waren die großen, schnellen Pferde seiner Vorfahren: die Pferde des Ostens – die Türken.

(Bemerkung des Übersetzers: Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk war einer der letzten berittenen Gazi mit seinem Pferd Sakarya auf dem Bild zu sehen.)

Und das war nicht alles. Riesige Staatsgestüte genannt Hirashi haben beste Qualität Türken gezüchtet – und es gab viele verschiedene Rassen von Türken, am beliebtesten war der Karaman, eine über 1,60 m Pferd, das dem heutigen Turkmenen ähnlich war.

Neben den Staatsgestüten gab es spezialisierte Zentren – genannt Yund und Tayçi - die dem Aufzucht von Jungtieren gewidmet waren. Alles in allem waren das sehr moderne Pferdezucht Unternehmen.

 

Reisende an das Osmanische Reich während des 17. Jahrhunderts machten Beobachtungen, die dies unterstreichen: Robert Bargrave, Levant Merchant schrieben, dass: " sie hätten solche Pferde gesehen, die sie in keinster Weise mit denen im gesamten Christenheit vergleichen können, und das in großer Zahl; allein die Ausrüstung sind im Wert von Tausenden, und diejenigen die gewöhnlich sind, die weniger als hundert kosten... Die meisten von ihnen wären im England die edelsten."

Bertrandon De La Brocquiére und Ogier Ghiselin de Busbecq, der flämische Botschafter an das Osmanische Reich (nicht an einen arabisches Land wie manche Autoren behaupten) hat dem Kaiser genau das gleiche berichtet.  

Also welche Pferde waren das?

Es ist zu bedenken, dass die Grenzen des Osmanischen Reiches aus dem Osten von Mesopotamien – im wesentlichen aus dem Gebiet des heutigen Syrien und Irak - quer durch die Türkei bis hin zur heutigen Österreich gereicht hat. Es beinhaltete Länder wie Rumänien, Bulgarien, Ungarn, insbesondere Serbien und Bosnien auf dem Balkan, wo die Zucht von reinrassigen Türken – Karaman, Uzunyayla, Rumeli, Kastamonu - ihren Höhepunkt ereichte. Alle diese Länder produzieren hochwertige Grassorten und Nährstoffe – unsere eigene Weidegrassorte stammt aus dem Balkan – und ich kann versichern, als ein Ernährungsfachmann für Pferdeartige, dass das Füttern von höherer Qualität auch größere Tiere produziert, als Futter mit niedriger Qualität zu füttern. Das ist eine unbestreitbare Tatsache.  

Und es ist wahrscheinlich, dass nur große Pferde von den Türken, als Kriegsbeute geraubt wurde, denn diese waren diejenigen, die auf beiden Seiten verwendet wurden. Es ging schlicht um Logistik. Zu dem ist zu beachten, dass zu dieser Zeit es verboten war, türkische Pferde ins Ausland zu verkaufen. Die einzige Möglichkeit, eins zu bekommen war eins zu stehlen, um ihn als Kriegsbeute zu behalten. Übrigens konnte man so viele Araber kaufen, wie man mochte. Das Turk-Pferd wurde ein Türke genannt, weil es genau das war, was es war.

 

In "The Illustrated Book of Horses" Wilshire Book Company 1875, S. Sidney heißt es: "jedes orientalische Pferd – Türke, Berber oder ägyptisch gezüchtet – wird ein Araber in diesem Land genannt." Im Vorwort seines Buches Newmarket and Arabia behauptet auch Roger Upton, „ Es wäre falsch, den Glauben zu fördern, dass Türken, Berber und sogar die Araber seien reine Araber. Ich denke es ist mehr als Zweifelhaft, dass bei der Bildung des Englischen Vollbluts von König James I, alle Pferde Araber gewesen sind.“

Wir wissen, dass John Wootton Byerley Turk gemalt hat, und es gibt mindestens drei Gemälde, die ich kenne.

Es scheint sehr unwahrscheinlich, dass er ihn jemals aus einem lebendigen Vorbild gemalt hat.

Wootton war zwei Jahre alt, als der große Byerley Turk seine großen, schwarzen osmanischen Hufen in britische Pfützen trat. Bis Wootton zu einem Jugendlichen heranwuchs war er längst tot.

 Ein genauer Blick auf die einzige zeitgenössische Malerei vom Turk und Wootton‘s klassische Malerei über ein schwarzes Pferd zeigt uns, dass es mehr oder weniger eine Kopie war. Die Haltung des Bräutigams ist die gleiche, die Hände sind das gleiche, das Pferd steht in der gleichen Haltung.

Wie auch immer, dies ist kein Pferd, den ich mit Sicherheit einer Rasse zuschreiben möchte, sei es Türke oder Araber.

Die einzigen Pferde, die Wootton gemalt hat und ich zu einer Rasse zuordnen möchte sind drei galoppierende arabische Pferde in Wimpole Haus. Ohne Zweifel diese passen definitiv zum Bild von laufenden türkischen Pferden. 

Dass bei der Feststellung einer Pferderasse Fehler passieren, wo die Weltgeographie noch in Nebeln lag, ist ganz verständlich. Es gibt noch Menschen, die nicht wissen, wo Arabien liegt und die denken, dass Türken Araber sind.

Um weiter zu forschen, schauen wir mal außerhalb des Areals zu den Mameluken Kalifat nach Ägypten und den kleinen ägyptischen Araberpferde (deren Chafrons – Kopfschutz- finden sie übrigens in dem Stibberts Museum in Florenz und sie sind winzig). Und es wird noch verwirrender, wenn Sie feststellen, dass die Mameluken - stammten von den Kyptschaken –gar keine Araber, sondern Türken waren.

Weitere aufschlussreiche Fakten kommen ans Licht.

Montecuccoli, Militärberater von Leopold I. dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches riet ihm, die Türken nicht auf Pferden unter 1,60 m zu begegnen, denn das war die Größe der Pferde auf dem die Türken ritten, als sie nach Wien im Jahr 1683 marschierten.

Das Askerî Museum das Militärmuseum in Istanbul hält einen großen Bestand vom 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts an Chanfrons(Kopfschutz für Pferde). Diese Chanfrons sind goldbeschichtete Gesichtsmasken für Pferde, wie die Türken von Rycaut beschrieben werden (17.Jahrhundert britischer Botschafter am osmanischen Hof) 'marschieren sie in den Krieg, als ob sie in eine Hochzeitsfeier gehen'. Die meisten der Chanfrons, die ich gemessen habe, waren 60 cm oder größer, ein oder zwei sogar über 70cm. Das sind zwei Fuß zu zwei Fuß drei in korrektem Englisch. Wenn Sie von einem arabischen Pferd den Kopf messen, würden sie schnell merken, dass diese Dinge zu groß sind. Sie wären auch für ein paar der feineren Vollblüter zu groß. Aber sie passen zu den altmodischen Vollblütern und den turkmenischen Pferden von heute.

Dann ging ich zum Topkapi Palast und habe die Panzerung der Männer gemessen und dabei eine weitere überraschende Entdeckung gemacht. Sie waren viel größer als ihre westlichen Gegner. Ich war immer erstaunt gewesen wie klein einige der Kleidungen und Rüstungen unserer Vorfahren waren und war ebenso überrascht von der Größe der Panzerung der Türken. Sie waren große Männer.

 

Es gibt definitiv mehr Arbeit zu diesem Thema, mehr Dokumente, die ausgegraben werden müssen und die große Schönheit der Osmanen war, dass sie solche anspruchsvollen Bürokraten waren.

Der Grund, warum diese Aufzeichnungen unerforscht geblieben sind, hat weitestgehend mit Parteinahme zu tun: Antitürkische Gesinnung. Lord Byron hasste die Türken, wie seine Enkelin, Lady Anne Blunt. Anfang des 20.Jahrhunderts wurde es nicht besser mit der Antitürkischen Haltung, es führte zur Ablehnung von allem Türkischen, bis hin zum ignorieren oder absichtliches Übersehen derer Archive. Im späten 19.Jahrhundert wurde die Türkei vom Westen abgelehnt als "der kranke Mann Europas". Sie war ein Paria (Außenseiter), und niemand wollte die Dokumente der Parias durchkämmen. So war es etwas wie ein Schock, als der Westen auf den Klippen von Gallipoli entdeckte, was sie für einen fatalen Fehler gemacht hatten: der Türke war überhaupt kein kranker Mann. Er war ein Soldat tapfer und entschlossen: er hatte Tradition, Konvention, Kompetenz und Disziplin auf seiner Seite, alles gelernt aus einer langen, langen Geschichte vom erfolgreichsten Reich auf dem Planeten.

 

Wie auch immer wurden die letzten Restbestände der hochwertigen, türkischen Pferde im ersten Weltkrieg ausgelöscht. Ihre Tage waren vorbei. Dann kamen die verheerenden Veränderungen. Kemal Atatürk, der erste Präsident der Türkei trug sein Land in das 20. Jahrhundert in dem er mit der Vergangenheit abschloss. Alte Traditionen gingen und neue kamen hinzu. Vergangen war der Sultan und alles was mit ihm zusammenhing, die alten Hiraşi, die Yund, die Tayçi und die Timars. Osmanische Schrift (arabische Schriftzeichen in türkischer Sprache) wurde geächtet und die lateinische Schrift wurde die formale Schriftsprache der neuen Türkei. Über Nacht wurden 99 % der Bevölkerung Analphabeten. Können Sie sich vorstellen welche Auswirkung das zu einer Gesellschaft hat? So gründlich war dieser Übergang, so dass Sie kaum jemand heute in der Türkei treffen können, der die Kenntnisse und jedes Interesse an der Geschichte seines Landes behalten konnte, geschweige denn einem Verständnis für die Zucht der besten Pferde, die die Welt je gekannt hat.

Sie müssen sich durch die alten Bücher durcharbeiten und alte Einträge durchforschen – um es zum Vorschein zu bringen, was im Westen nie wirklich getan wurde.

 

Die meisten Vollblut rennpferde von heute stammen aus der Hengstlinie Darley Arabian – der übrigens auch ein osmanisches Pferd war. Aber in Bezug auf die genetische Vererbung von allen Vierteln des Stammbaums, hat den wichtigsten Anteil an der modernen Vollblutrasse, der Ur-Ur-Enkel von Byerley Turk aus der Hengstlinie Herod mit 16 % der Gene, gefolgt von Godolphin Barb, bei rund 15 % und weit vor dem Darley Arabian mit 11 %, wie es von mehreren Studien von Genetikern über die Rasse bestätigt wird. Herod hatte natürlich auch Kreuzungen von Darcy‘s Yellow Turk, Darcy's White Turk, Brownlow Turk, Selaby Turk und den Helmsley Turk.

 

Entscheidend hier ist daran zu erinnern, um welche Art von Pferde es sich handelt.

Es waren nicht die 1,50m großen leichtknochigen Witherless Rosen. Dieser Typ von Pferd war kräftig im Gebäude. Das ist nicht nur von historischen osmanischen Archiven, sondern auch von Englischen Militär Dokumenten bestätigt. Als Byerley Turk nach England gebracht wurde, übernahm ihn die Queen Dowager’s Cuirassiers, eine berittene Einheit die nur Pferde "in der Farbe Braun und von kräftiger Statur“ akzeptierten. Diese Einheit wurde umbenannt in die 6. Dragoon Guards und die Dragoner waren schwere berittene Infanterie.

 

Das Pferd hatte einen Widerrist über 1,60m, einen langen Rücken, viel Knochensubstanz und tiefe Rippen. Er hatte einen langen Hals, große Ohren, große Augen, eine eindrucksvolle Erscheinung mit viel Ego. Dies war die Qualität, die die Türken vor allem anstrebten. Diese Beschreibung passt überhaupt nicht auf ein Araber, der leichten Knochenbau, Rahmen, kurze Ohren und von Araberliebhabern bevorzugten konkaven Kopf. Würden wir sogar annehmen, dass in der Zucht arabische Stuten eingesetzt wurden. Sie würden trotzdem nie Pferde über 1,60m produzieren können.

Dieses Blut, die Größe, die Form, die Geschwindigkeit kam vom Türken. Mit Besonnenheit sollte daran erinnert werden, dass dieser Hengst zwei Jahre von 1689 bis 1691 in Irland verbracht hat. Und welchen unvorstellbaren Einfluss und Potential ein Junghengst in zwei Jahren in einem Land bewirkt hat?

 

Wir müssen einen tiefgründigen Blick auf alle irischen Blutlinien werfen und genau erörtern was sie sind und was genau sich in ihren realen historischen Wurzeln verbirgt. Basierend auf sachlichen Beweisen und nicht mit bloßer Begeisterung für eine Rasse ohne sachliche Forschung.

Quellverzeichnis:

(1) Dr.Sabine Töpfer-Gebert, Geschichte der Achal-Tekkiner

(2) Springer Verlag / www.scinexx.de das Wissensmagazin

(3) Jeremy James, Foundation Turk aus dem Englischen übersetzt

 

Letzte Aktualisierung: 06.12.2012